was wir tun können

Jesus ruft uns dazu auf, das Netz auf der „rechten Seite“ auszuwerfen.
Was mag der Herr wohl damit meinen?
Auf jeden Fall sollen wir nicht so wie bisher gewohnt weitermachen.
Ist die rechte Seite also einfach nur die ungewohnte Seite? (Rechtshänder fischen normalerweise links.)
Ist richtig also falsch, und falsch ist richtig?
Wenn wir unsere Gewohnheiten jedenfalls auf Jesu Wort hin ändern, wird unser Fischzug so groß sein,
dass wir ihn kaum noch einholen können. (Johannes 21,1-14)

Suchen wir uns Verbündete

Jesus will keine Einzelkämpfer in seinen Gemeinden.
„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Mat 18,20)
Die Kreativität (und Korrektur), die Gott uns schenkt, heißt Heiliger Geist.

Regeln dürfen wir nur brechen, wenn wir sie kennen
Bevor wir etwas wegräumen, sollten wir uns bemühen, es zu verstehen. Dann können wir es auf seine Zweckmäßigkeit hin besser beurteilen. Die Regeln sind dazu da, um uns zu helfen. Wir sind jedoch nicht für die Regeln da.

Respektieren wir die Tradition der Alten
Sie haben das Feuer an uns weitergegeben.
Geben wir ihnen weiterhin Heimat.

Erneuern wir nicht alles auf einmal
Eine Gemeinde braucht vertraute Riten.
Wenn wir uns vorwärts tasten, brauchen wir ein Standbein (für die Sicherheit), und ein Spielbein (um Neuland zu gewinnen). Muten wir uns nicht mehr als zwei wesentliche Neuerungen pro Jahr zu. Eine von beiden wird überleben, die andere wird sich möglicherweise als unbrauchbar erweisen.

Erfinden wir nicht jedes Mal das Rad neu
Gerade Altes ist oft erprobt und bewährt.
Nur etwas Staub von der Oberfläche ist abzuklopfen.

Beachten wir die anthropologischen Wurzeln des Ritus
Ein Ritus ist eine symbolische Handlung, in der das Geheimnis unserer Seele mitschwingen kann.
Um diese Schwingung aufrecht zu erhalten, muss er jedoch hin und wieder gestört oder gegen den Strich gebürstet werden.

Weniger ist mehr!
Gerade die Schlichtheit der Form gewährleistet ihre Offenheit.
(Ausnahmen bestätigen die Regel.)
Erdrücken wir nicht ein gutes Element durch ein zweites oder drittes.
Erklären wir nichts kaputt.
Wahren wir Stille.
Lassen wir uns atmen … von Gott.
Glauben wir mit Gandhi an die Kraft des unausgesprochenen Wortes.

Reinigen wir den Raum – Entfernen wir die Kirchenbänke
Es gibt keine leeren Kirchen. Leider gibt es jedoch Kirchen, die mit allem Möglichen vollgestellt sind.
Leere Räume sind wunderschön und wohltuend für die Seele.
Es gibt allerdings leere Kirchenbänke, Barrieren zwischen mir und den anderen, zwischen mir und dem Altar,
Bänke, in die ich mich einzureihen habe, um das zu glauben und das zu beten, was mir von oben gesagt wird.
Das entspricht überhaupt nicht unserem Menschen-, Freiheits- und Gemeinschaftsverständnis.
Früher gab es in den Kirchen auch keine Bänke,
und mit variablen Stühlen stehen wir in einer erprobten und äußerst kreativen Tradition.

Schaffen wir in unseren Gottesdiensten wieder eine Kultur des Gebetes
Beten ist nicht das Zuhören eines vorgefertigten Textes.
Es ist auch nicht das Bestätigen aufgeschriebener Verbesserungsvorschläge zum Schöpfungswerk Gottes.
Beten ist das Kostbarste, was wir haben: Offenheit vor dem Geheimnis Gottes.
Wenn wir die Kultur des Betens in unseren Gottesdiensten wiederentdecken,
wird sie die Kultur des privaten Gebetes wieder befruchten, und umgekehrt.
Mitunter ist Beten einfach nur ein Lauschen.
Wahren wir Stille.
Lassen wir Gott in uns atmen.

Christus in unserer Mitte – Entdecken wir die Eucharistie
So wie das Beten in der Gemeinde das Beten zu Hause wieder befruchtet (und umgekehrt), so müssen wir die Urform der christlichen Eucharistie wiederentdecken.
Das ist letztendlich die jüdisch-jesuanische Hausgemeinschaft, die sich um einen Tisch versammelt. Hier sind alle anthropologischen Grundelemente vorhanden: Gebet, Lesung, Mahlgemeinschaft, Gespräch, SegenSendung.
Es ist das Bild der Gegenwart Gottes und ein Gegenbild zur hedonistischen und antisozialen Vereinzelung.
Die Liturgie des Gottesdienstes muss dieses abbilden.

rublevDas kann sie um so besser, wenn wir Hausgemeinschaften gründen, die wieder regelmäßig zum Gebet und zur Tischgemeinschaft zusammenkommen, um sich durch die Gegenwart Christi anstecken und verwandeln zu lassen.
Beide – Eucharistiefeier in der Kirche und Erinnerungsmahl in den Häusern – sind darum keine Konkurrenten, sondern Abbild des Gleichen, und können sich in ihrer unterschiedlichen Dramaturgie gegenseitig inspirieren und befruchten.
Die unmittelbarere und im Unterschied zur Eucharistiefeier weniger stilisierte Form des Hausmahles hat dennoch ganz natürliche anthropologische Regeln (Form, Anfang und Ende, Diakonischer Dienst, Gastfreundschaft, Höflichkeit, besonderer Raum etc,) umschifft aber in ihrer Direktheit viele praktische, konfessionelle und dogmatisch-habituelle Schwierigkeiten, mit denen sich die Eucharistiefeier der Gemeinde mitunter konfrontiert sieht.

Nichts soll uns von Christus trennen
Jesu Pastoralkonzept ist der persönliche Kontakt.
„Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich.“ (Joh 10,14)
Die Arbeiter in seinem Weinberg sind keine Autorennfahrer,
sondern Menschen, die Gemeinschaft mit Christus stiften und Chistusgemeinschaften gründen.

Spielen wir nicht Priester, wenn wir keine sind
Priester sind Personen, deren Liebe über diese Welt hinaus geht
und darum in dieser Welt allein auch nicht gestillt werden kann.
Alles andere ist zeitbedingt und dem kulturellen Wandel unterworfen. (Domradio 29.12.2014)

Bewahren wir Keuschheit
Keuschheit ist die Anwesenheit jenes ganz Anderen
und Aufgesparten (kosher),
das ein Geheimnis ist
und bleibt.
Verraten wir diese Liebe und dieses Geheimnis nicht.
Es ist der freigehaltene Platz an unserem Tisch für den Fremden, für Elias oder für Jesus.
Es ist die Offenheit und der Respekt vor dem Anderen,
die Bescheidenheit und Entscheidungskraft gegenüber der Welt,
die Stille im Gebet,
die Leere, die wir nicht betreten und auffüllen wollen.
(„Moshe! Moshe! – Komm nicht näher! Zieh deine Schuhe aus!“) (Ex 3,4-5)
Keuschheit hat etwas mit dem Leben zu tun.
Sie ist unsere Offenheit gegenüber Gott.

Stärken wir die Gemeinden anstatt sie zu schließen
Schaffen wir um Gottes Willen nicht die Kirche ab.
Eine Kirche darf auch mal schlafen.
In hundert Jahren brauchen wir sie wieder. Vielleicht schon in fünfzig.
Und vergraben wir nicht unsere Talente. Unser Herr ist streng!

Suchen wir uns gute Musiker
Kirchenmusik entfaltet eine unglaubliche spirituelle Dynamik
und bereichert das Gemeindeleben darüber hinaus beinahe automatisch.
Musik ist die Sprache der Engel.
Besser kann man gar nicht die Frohe Botschaft verkünden.

Räumen wir Überflüssiges weg
Egal ob in der Kirche oder ZuHause: Eine vergessene Stehleiter oder eine zufällig stehen gebliebene Vase … alles bekommt eine Bedeutung.
Konzentrieren wir uns auf das Wesentliche. Auch in der Liturgie.
Noch einmal: Weniger ist mehr.

Haben wir Mut zur Lücke
Kein falscher Perfektionismus. Gerade kann jeder. Und perfekt ist meistens langweilig.
Fragmente dagegen regen die Phantasie an.
Ich bin ein Fragment. Du bist ein Fragment.
Und zusammen erst sind wir
allgemein, umfassend, katholisch,
rechtgläubig, aufrichtig, orthodox,
froh machend, von Gott gesendet, evangelisch.

Bleiben wir also katholisch, evangelisch, orthodox … im eigentlichen Sinne!
Reduzieren wir nicht besserwisserisch die Vielfalt des Heiligen Geistes. Da sei Gott vor!
In unserer Mitte steht Christus.
Sind wir also Christen, aufrecht im Glauben und offen die frohe Botschaft verkündend.

Womit sich der Kreis schließt: Suchen wir uns Verbündete
Gehen wir gemeinsam weiter … kleine und große Schritte.
Bleiben wir bescheiden. Machen wir das Naheliegende.
Bleiben wir entschieden. Nichts soll uns trennen von der Liebe Christi.
Lassen wir uns auf den Weg ein, auch wenn wir das letzte Ziel auch nicht immer sehen können.

Es ist alles schon da!
Der Herr hat es bereitet.
Und nichts kann uns hektisch machen im Raum der Ewigkeit.
Wir haben alle Zeit der Welt.